Die Summe vieler Städte macht eben noch keine Metropole

Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) begleitet den Strukturwandel des Ruhrgebiets in seinen unterschiedlichen Phasen seit fünf Jahrzenten: vom Leitbild der rationalen Planung über den IBA Emscher-Park 1989-1999 bis hin zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

Die aktuelle Ausgabe des ILS-Journals 2/2019 gibt interessante Einblicke in den Wandlungsprozess und stellt das Ruhrgebiet als Transformationsraum und Innovationslabor in den Fokus. Seit der Kohlekrise 1957 zeichnet sich ein Strukturwandel im Ruhrgebiet ab. Mit der Schließung des letzten Bergwerks Prosper-Haniel, Bottrop im Dezember 2018 endet zwar die Ära des Steinkohlebergbaus, nicht aber der Prozess des Wandels einer Region, die sich lange durch den Bergbau definierte. Die Struktur des Ruhrgebiets an sich bildet eine Herausforderung, denn die Region wird als polyzentrale Metropole klassifiziert. Nicht ein administratives und verdichtetes Zentrum bestimmt das Siedlungsgefüge, sondern viele gleichgroße und gleichberechtigte Zentren, die durch Verkehrsadern verbunden sind, prägen die Struktur des Ruhgebiets. Teilweise stehen die Kommunen in Konkurrenz hinsichtlich der Attraktivität im Einzelhandel. Dementsprechend ist eine gemeinsame Politik der Ruhrgebietsstädte schwer umsetzbar.

Die nicht selten vertretene Annahme, das Ruhrgebiet gelte bis heute als abgehängte Region, liegt weniger an einem gescheiterten Entwicklungsprozess, als vielmehr an den zum Vergleich herangezogenen Räumen. Wird das Ruhrgebiet mit Regionen vergleichen, die einen ähnlichen einschneidenden Wandel erlebt haben, steht es relativ gut da, so Prof. Dr.-Ing. Stefan Siedentop, Wissenschaftlicher Direktor des ILS und Professor an der TU Dortmund der Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Stadtentwicklung. Es gäbe eine regionale Identität und eine kollektive Handlungsfähigkeit, die mit dem Regionalverband Ruhr und durch erfolgreiche Formate wie der IBA erarbeitet wurden. Zudem zählt das Ruhrgebiet zu den größten Wissenschaftsstandorten Europas.

Nichtsdestotrotz gibt es noch reichlich Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. So kritisiert Prof. Dr. Siedentop die mangelnde Erreichbarkeit vieler Räume im Ruhrgebiet sowie fehlende räumliche Schwerpunkte bei der städtebaulichen Erneuerung. Starke Kernstädte wie Dortmund oder Essen könnten bei der Entwicklung wichtige Motoren für die gesamte Region darstellen.

Weitere Informationen zum Strukturwandel des Ruhrgebiets finden sich unter www.ils-forschung.de.

Ihr Ansprechpartner für diesen Bereich

Peter Köddermann

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