Gestaltung der Projektgrafik des „UmBauLabors“: DESERVE
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Umbau in Lebenszykluszahlen

Prof. Annette Hillebrandt erklärt, warum es sinnvoller und günstiger ist, sich auf die Sanierung von Beständen zu fokussieren und welche Rolle neue Bewertungssysteme für Kreisläufe dabei spielen sollten.

Prof. Annette Hillebrandt setzt sich mit den Prinzipien einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft im Bauen auseinander und lehrt an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Bergischen Universität Wuppertal. Sie hat sich auf Urban Mining und Recycling spezialisiert und erforscht, wie eine grundsätzliche Bauwende hin zu Ressourceneffizienz und Zirkularität zukünftig gelingen kann.

Zwar ist es heutzutage möglich, einen Neubau zu errichten, dessen Nutzungsphase klimaneutral ist oder der sogar mehr erneuerbare Energie erzeugt, als das Gebäude selbst verbraucht. Prof. Hillebrandt erklärt nach ihrem Forschungsstand, warum es trotzdem sinnvoller und günstiger ist, sich auf die Sanierung von Beständen zu fokussieren und welche Rolle neue Bewertungssysteme für Kreisläufe dabei spielen sollten.

Was ist ökologisch sinnvoller: Abbruch und Neubau oder Sanierung des Bestandes?

Prof. Annette Hillebrandt: „Es ist längst bewiesen, dass durch die Sanierung eines Bestands-Einfamilienhauses (einfacher Standard) nur ca. ein Drittel der CO₂-Emissionen eines vergleichbar großen Neubaus (Baukulturbericht 2022/23) entstehen. Denn im Bestandsrohbau ist eine große Menge an CO₂ gebunden, die weitergenutzt werden kann und durch einen Neubau neu emittiert werden würde. Würde man die Umweltfolgekosten – vom Umweltbundesamt für 2022 beziffert auf 237 Euro pro Tonne Kohlendioxid – mit einfließen lassen, würden die wahren Kosten abgebildet. Und kein Neubau wäre günstiger als die Bestandssanierung.

Gemäß einer Studie des Wuppertal Instituts sind in Deutschland 15,2 Milliarden Tonnen Material in Gebäuden verbaut. Soll der enorme Ressourcenverbrauch des Bauwesens reduziert werden, müssen Materialien aus dem Abbruch zurückgewonnen und wieder in den Kreislauf eingespeist werden. Folglich ist neben der Frage nach den in einem Gebäude steckenden Ressourcen die Beurteilung ihrer Kreislauffähigkeit von grundlegender Bedeutung.“

Wie lässt sich Kreislauffähigkeit bewerten?

Prof. Annette Hillebrandt: „Gebäude bestehen aus Wertstoffen (z. B. Metallen oder wiederverwendbaren Eichenbalken), die am Nutzungsende der Immobile verkauft werden können und so den wahren Gebäudewert, unabhängig von der Lage, abbilden. Oder sie bestehen aus Abfällen (Kunststoffen, mineralischen Bauschuttgemischen), die teuer zu entsorgen sind.  In Zukunft werden wir diese anthropogenen Lager messen – zum Beispiel mit Zirkularitätsindices wie dem Urban-Mining-Index. So können wir Fördermittel oder Baugenehmigungen von der Kreislaufgerechtigkeit der Konstruktionen abhängig machen. Neben der Suffizienz – also einem ‚weniger Bauen‘ z. B. durch Bestandsweiternutzung – ist dies Voraussetzung für unser Überleben innerhalb der planetaren Grenzen.“

 

Mehr zum Thema „UmBauLabor“ finden Sie in unserem Pageflow. Pageflow ist die multimediale Plattform für das „UmBauLabor“. Es veranschaulicht sowie dokumentiert das Projekt und wird fortlaufend aktualisiert.

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Lillith Kreiß

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Projektmanagerin UmBauLabor [seit 30.5.24 vorübergehend nicht im Dienst]

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