Gestaltung beginnt im Kopf. Sie ist mehr als nur der physische Raum, der uns umgibt; Gestaltung spiegelt unsere Werte, unser Verhalten und unsere Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft wider. Weil sie so zentral für unsere Lebensräume ist, setzen wir uns im Jahr 2026 im UmBauLabor mit dem Thema Umgestaltung auseinander.
Ressourcen entdecken, Materialien sammeln
Die Basis für unsere Arbeit in diesem Jahr stellen unsere Erfahrungen und Erkenntnisse aus 2025 dar. Vergangenes Jahr haben wir uns dem Thema Ressourcen gewidmet und begaben uns auf die Spurensuche: Was verbirgt sich in unserem Gebäude und dessen Umfeld? Welche materiellen Schätze warten darauf, entdeckt und sinnvoll genutzt zu werden? Unser Ziel? Müll vermeiden und kreislauffähige Prozesse gestalten! Im vergangenen Jahr haben wir mehr wertvolle Materialien und Chancenräume gefunden, als man es vielleicht in oft genannten „Schrottimmobilien“ erwartet hätte.
Ein Höhepunkt unserer Erkundungsreise ist dabei unsere jährliche Summer School, die Theorie mit Praxis im UmBauLabor auf einzigartige Weise verbindet. Gemeinsam mit kreativen Köpfen aus unterschiedlichen Fachrichtungen haben wir ungenutzte Ressourcen neu entdeckt und uns mit frischen Ideen auseinandergesetzt. Während der Summer School 2025 sind wir tief in den Prozess des Rückbaus und der Aufbereitung von Baumaterialien eingetaucht. Der vielseitige Austausch hat uns inspiriert, über die Facetten von Ressourcen nachzudenken, die oft im Verborgenen liegen.
Doch was verstehen wir überhaupt unter Ressourcen? Auf der einen Seite sind es die sichtbaren Materialien und Bauteile eines Gebäudes wie Steine, Holz, Fliesen, aber auch Türen oder Fenster; auf der anderen Seite sind es auch die versteckten Ressourcen, die erst bei näherer Betrachtung zutage treten.
Bei den versteckten Ressourcen spielt die „graue Energie“ eine wichtige Rolle, welche die gesamte Energie und Emissionen umfasst, die zur Errichtung eines Gebäudes erforderlich sind – von der Materialförderung bis zum Bau.
In der Summer School 2025 erläuterte Renée Tribblé, Professur für Städtebau an der TU Dortmund, den Begriff der „goldenen Energie“. Dieser beschreibt, dass durch den Erhalt und die Wiederverwendung von Baubeständen kulturelle, soziale und emotionale Werte und die Geschichte eines Gebäudes bewahrt werden. Jeder Ort hat eine eigene Biografie, die in seiner Gestaltungs- und Nutzungsgeschichte verankert ist. Diese Orte sind voller Potenziale, und jetzt gilt es, sie zu aktivieren!
Im UmBauLabor haben wir erkannt, dass beim Ressourcenschutz nicht nur die Vermeidung von Verbrauch im Vordergrund steht; vielmehr benötigt so manche Ressource einen neuen Blickwinkel, um wieder zum Leben erweckt zu werden und genutzt zu werden. Man denke nur an die oft unzugänglichen öffentlichen Außenbereiche, die wenig einladend wirken, besonders in der Nachbarschaft stark befahrener Straßen. Mit einer durchdachten, grünen Bepflanzung, die den Raum schön und funktional vom Verkehr abgrenzt, und durch sichere Zugänge können wir diese Flächen in einladende Orte für die Gemeinschaft verwandeln.
Wie viel neuen Wohnraum könnten wir schaffen, wenn wir ungenutzte Gebäude umgestalten und revitalisieren würden? Mit der Perspektive auf die goldene Energie öffnen wir unseren Blick auf kreative Möglichkeiten, die Qualität unserer Räume zu verbessern und sie lebendiger sowie einladender zu gestalten.
Hürden und Möglichkeiten für die Umbaukultur
In unserer Diskussionsreihe „Im Diskurs“ haben wir mit Fachleuten und Expert*innen für Kreisläufe im Bau- und Planungswesen unterschiedliche Aspekte beleuchtet, die neue Blickwinkel auf das Umbauen ermöglichen. Dabei haben wir sowohl Hürden als auch Lösungsansätze identifiziert.

Veraltete Grundrisse, eine unvollständige Gebäudedokumentation und strenge Vorschriften stellen zum Beispiel immer noch Hindernisse für das Bauen im Bestand dar. Diese erschweren häufig eine effektive Planung für Architekt*innen. Das Bauwesen benötigt daher politische Unterstützung in Form von neuen Gesetzen und Förderprogrammen. Viele bestehende Vorschriften sind oft auf den Neubau ausgerichtet und erschweren einen Umbau oder eine Nutzungsänderung. Häufig wird gar nicht oder nicht ressourcenschonend umgebaut, weil das entsprechende Wissen oder das Geld fehlt. Denn das Bauen im Bestand gilt immer noch als zu teuer.
Das liegt unter anderem an den hohen Standards, die für Neubauten festgelegt worden und oft nicht wirtschaftlich tragbar sind. Daher ist es wichtig zu betonen, dass Bestandsimmobilien nicht mit Neubauten vergleichbar sind. Aus diesem Grund benötigen wir spezielle Richtlinien, die den Anforderungen des Bestands angemessen sind. Im Übrigen sammelt die europäische Initative House Europe Unterschriften und fordert die Politik auf, hier was zu ändern.
Ein wichtiger Aspekt der Diskussion war, wie sich Material in Kreisläufe führen lässt und welche Regeln wir hierfür benötigen. Das Kaufverhalten – auch von Baustoffen – ist linear ausgerichtet: kaufen – verbrauchen – wegwerfen. Um Ressourcen zu sparen, müssen wir sie wiederverwenden, statt sie wegzuschmeißen. Ein bedeutsames Hilfsmittel kann hierbei eine verpflichtende Ökobilanzierung sein. Wir benötigen aber auch neue Bewertungsinstrumente, die eine Kreislaufwirtschaft bevorzugt. Nachhaltigkeit ist mehr als nur eine CO₂-Bilanz – sie muss zusätzlich kulturelle Werte beinhalten, die unser Bauen und damit unsere unmittelbare Umgebung stark beeinflussen.
Auf kommunaler Ebene kann ein Wandel hin zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Entwicklung gelingen, wenn dieser schrittweise und durch Einzelmaßnahmen umgesetzt wird. Dabei ist es sinnvoll, frühzeitig mit Behörden und Kommunen zu sprechen.
Handwerk spielt wichtige Rolle
Für das Handwerk besteht eine Herausforderung darin, dass es oft wirtschaftlich unattraktiv ist, zirkulär zu arbeiten. Viele Betriebe verwenden Produkte, die nicht kreislauffähig sind, was die kreative (Weiter-)Nutzung von Ressourcen einschränkt. Auch hier muss neues Wissen gelernt und altes Wissen wieder entdeckt werden, was wiederum neue Aufgaben und Anforderungen für die Ausbildung mit sich bringt.
Doch es wird deutlich, dass diese Transformation nicht allein eine Aufgabe des Handwerks ist. Alle Akteur*innen des Bauwesens – von Architekt*innen über Ingenieur*innen bis hin zu Bauherr*innen – müssen die Ausbildung aktiv mitgestalten und erneuern. Gefragt ist ein gemeinsamer Fokus auf Bestandserhaltung, Nachhaltigkeit und kreislauffähige Prozesse. Nur wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten und sich auf diese wichtigen Themen konzentrieren, können wir eine zukunftsfähige Baukultur entwickeln, die den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird.
Im Experiment: vorhandene Ressourcen nutzen

Besonders begeistert waren wir von einer Gruppe, die Abbruchmaterialien einer alten Innenwand sowie Fliesen aus dem Ahlmannshof in Gelsenkirchen verwendet hat, um eine offene Wandstelle im Schaudepot des UmBauLabors zu schließen. So entstand das sogenannte „Mortadella-Mosaik“, ein echter Hingucker, dessen Name auf die faszinierende Farbenkombination anspielt!
Das ist jedoch nicht unser einziges Experiment mit Materialien. Seit dem Winter 2025 läuft das Lehmbau-Seminar der FH Dortmund, in dem Architekturstudierende bis Februar 2026 mit Lehm und Hanf im UmBauLabor arbeiten (mehr dazu auf unserem UmBauLabor-Pageflow). Ihre Herausforderung? Möglichst wenig Müll zu produzieren und dabei so viele Materialien wie möglich wiederzuverwenden. Ein echter Test für Kreativität und Nachhaltigkeit!

„Eine Stadt für uns“: ein 3. Ort für Schüler*innen in Ückendorf
Es reicht jedoch nicht aus, nur mit Materialien zu experimentieren, neue Nutzungen auszuprobieren und mit der Fachwelt über die Umbaukultur zu sprechen. Deshalb freuen wir uns umso mehr auf unser neues Projekt „Eine Stadt für uns“ mit der 8. Klasse der Gesamtschule Ückendorf. Dabei gestalten die Schüler*innen einen „Dritten Ort“ – einen Raum außerhalb von Schule und Zuhause, den sie nach ihren Vorstellungen umbauen. Gefunden hat die Klasse ihren Raum in einer ehemaligen Filiale der Volksbank im Stadtteil Ückendorf.

In diesem Projekt lernen die Schüler*innen nicht nur, den Wert des Vorhandenen zu schätzen, sondern auch, wie sie kreativ mit vorhandenen Ressourcen umgehen. Die Frage, wie wir unentdeckte Ressourcen aktivieren können, spielt dabei eine zentrale Rolle und hilft uns, (neuen) Wert im Alten zu finden. Dieses Wissen wird uns unterstützen, wenn wir uns mit dem Thema Umgestaltung in diesem Jahr beschäftigen.
Räume umgestalten: Das passiert 2026 im UmBauLabor
Umgestaltung ist viel mehr als das, was wir (um)bauen – sie ist eine Einladung, aktiv unsere Zukunft zu formen. Welche Lebensräume wünschen wir uns und wie setzen wir unsere Ideen um? Wer gestaltet unsere Lebensräume mit welchen Ressourcen?
Das Projekt „Eine Stadt für uns“ mit der Gesamtschule Ückendorf geht in die nächste Runde. Während im vergangenen Jahr die Suche nach einem Ort im Mittelpunkt stand, den die Schüler*innen umgestalten können, liegt der Fokus dieses Jahr darauf, anzupacken und den Raum der Volksbank nach ihren Bedürfnissen und Vorstellungen zu verändern.
Ein besonderer Programmpunkt im UmBauLabor ist der Wettbewerb „Raum im Raum“, den wir mit der Hochschule Düsseldorf organisieren. Hierbei haben Studierende die Möglichkeit, eine Wohnung im 1. Obergeschoss des UmBauLabors neu zu gestalten und Ideen für den Grundriss zu entwickeln. Ihre Entwürfe werden Frühjahr präsentiert, der Gewinnerentwurf soll in der zweiten Jahreshälfte umgesetzt werden. Einsendeschluss für die Entwürfe ist der 1. März 2026. Weitere Informationen gibt es auf der Projektseite von „Raum im Raum“.
Im September richten wir außerdem eine weitere Summer School aus, die sich ebenfalls mit dem Umgestalten beschäftigt.
Auch unser Diskussionsformat „Im Diskurs“ setzen wir fort und möchten unsere Zusammenarbeit mit dem Quartier noch intensiver gestalten. Daher fragen wir:
„Was sind eure wichtigsten Themen bei der Umgestaltung? Ist es die Aktivierung leerstehender Gebäude oder sind es innovative Grundrisse? Wie können wir gemeinsam urbane Räume entwickeln und eine höhere Lebensqualität schaffen? Für eine nachhaltige Gestaltung unserer Lebensräume brauchen wir Euch! Kommt ins UmBauLabor, bringt eure Ideen ein und nutzt unseren Experimentierraum. Gemeinsam gestalten wir positive Veränderungen!“





