Leerstand ist überall, aber der Weg in ein leerstehendes Gebäude ist oft verschlossen: Wem gehört es? Wie kommt man hinein? Wer entscheidet darüber? Unter dem Titel eines „Schlüsseldienstes" sammelt das Ko-Forschungsteam der Urbanen Liga Ideen, wie sich leerstehende Bestandsgebäude schnell identifizieren und für neue Nutzungen öffnen lassen. Umnutzung wird nicht als fertige Lösung verstanden, sondern als gemeinsame Debatte. Die Urbane Liga ist bundesweite Netzwerk junger Stadtmacher*innen des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).
Die Forschung der Gruppe basiert auf dem Experimentieren: In zwei vergleichenden Reallaboren, einem städtischen in Hagen (unterstützt durch Baukultur NRW) und einem ländlichen im Thüringer Wald (in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar und der Stiftung Baukultur Thüringen). Dort öffnet die Forschungsgruppe jeweils die Türen eines leerstehenden Raumes und bespielt ihn als temporären Arbeits-, Ausstellungs- und Gesprächsraum.
In Hagen kommt die Gruppe vom 22. bis zum 28. Juni 2026 mit Bewohner*innen, Initiativen und lokalen Akteur*innen ins Gespräch. In offenen Werkstätten, Spaziergängen und Gesprächsformaten wird gefragt: Wie entstehen Zugänge zu Informationen, Räumen und Prozessen? Welche Hürden tauchen auf und wann gelingt der sprichwörtliche Schlüsselmoment? Welche Potenziale tragen Leerstände für die Stadt und die Umnutzungskultur für die Zivilgesellschaft in sich? Die Suche nach einer leerstehenden Immobilie und damit dem Veranstaltungsort in Hagen ist Teil der Forschungsfrage.
Zum Abschluss der Woche (Samstag und Sonntag) präsentiert die Gruppe eine Ausstellung: Gezeigt wird der Weg, wie die Forschungsgruppe an den Raum gekommen ist, die Begegnungen der Woche und die Ideen, die daraus entstanden sind. Der Eintritt zu den Aktionen ist frei.
Begleitend entsteht eine gedruckte Dokumentation, die kostenfrei ausliegt und so aufbereitet ist, dass sie für andere Kommunen, Regionen und Initiativen anschlussfähig ist. Eine digitale Fassung wird über urbane-liga.de zugänglich gemacht.
Die Erkenntnisse aus beiden Reallaboren werden in eine übergeordnete Publikation der Urbanen Liga überführt und 2026 auf dem Nationale-Stadtentwicklungspolitik-Kongress in Köln (NSP) sowie im BMWSB vorgestellt. Auf diese Weise bleibt das, was in Hagen verhandelt wird, nicht lokal verhaftet, sondern speist sich in eine bundesweite Debatte über Leerstand, Umnutzung und Zugänge zur gebauten Stadt ein.
