Über die Sorge für das gemeinsame Haus – der Papst und die Stadt

Viel war schon von der neuen Enzyklika „Laudato Si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ die Rede, die Papst Franziskus kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Papst Franziskus, der in seiner kurzen Amtszeit schon mit vielen Gewohnheiten und Konventionen seiner Vorgänger gebrochen hat, hält sich beim Thema Stadt aber eher an Gewohntes und Bewährtes. Die Stadt – so der Eindruck, der sich beim Lesen der Enzyklika einstellt – ist eher ein notwendiges Übel, aber kein Segen für die Menschheit. Da wird das „maßlose und ungeordnete Wachsen vieler Städte“ angeprangert, „die für das Leben ungesund geworden sind“. Von Chaos und Unordnung ist die Rede und davon, dass die Stadtbewohner den Kontakt zur Natur verlieren.

Damit begibt sich der Papst in eine lange kirchliche Tradition des anti-urbanen Gedankenguts. Diese Tradition beginnt im Alten Testament mit den Städten Babylon, Sodom und Gomorra, die hier als Sinnbild für die Überheblichkeit und Verderbtheit des Menschengeschlechtes stehen und schließlich Gottes Strafe erleiden müssen. „[...] Denn du machst die Stadt zum Steinhaufen, die feste Stadt, daß sie auf einem Haufen liegt, der Fremden Palast, daß sie nicht mehr eine Stadt sei und nimmermehr gebaut werde.“ (Jesaia, Kapitel 25) Seither blickten die meisten Kirchenführer mit großem Misstrauen auf die Städte, in denen ihnen die christlichen Werte und die Autorität der Kirche besonders gefährdet erschienen.

Im Unterschied zu vielen seiner Vorgänger sorgt sich Papst Franziskus aber nicht um Sitte und Moral der Stadtbewohner, sondern um ihre Lebensbedingungen. Mit Blick auf die schnell wachsenden Städte fordert er mehr Grünflächen und mehr Teilhabe der Bürger an den Planungsprozessen. Er wendet sich gegen Segregation und appelliert an die Integrationsfähigkeit der Stadt. Und er fordert, das kulturelle Erbe vor Zerstörung zu bewahren und in die Stadtentwicklung zu integrieren.

Die Erkenntnis, dass die Stadt der größte Motor der Zivilisation ist, ohne den die Lebensbedingungen auf der Erde um einiges schlechter sein dürften, vermisst man auch bei Papst Franziskus. Immerhin gilt sein Misstrauen nicht der Stadt selbst, sondern denen, die sie planen und denen, die sie für ihre Zwecke ausbeuten.

Die gesamte Enzyklika ist in deutscher Sprache auf der Internet-Seite vatikan.va veröffentlicht. Einschlägig zur Stadt äußert sich Papst Franziskus besonders in den Absätzen 44-49 sowie 143-154.

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Peter Köddermann

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