Das Projekt „Ein Dritter Ort für die 8. Klasse der Gesamtschule Ückendorf“ (Arbeitstitel) hat das Ziel, 17 Schüler*innen in die Stadtgestaltung einzubeziehen und ihnen zu zeigen, wie sie vorhandene Ressourcen im Stadtteil umnutzen können. Gemeinsam mit ihnen entwickelt das Team des UmBauLabors im Laufe der kommenden Monate einen Ort, der ihren persönlichen Vorstellungen entspricht. Dieser Raum soll im Jahr 2026 entstehen und aus wiederverwendeten Materialien gebaut werden.
Ehemalige Bank-Filiale wird umgebaut
Nach intensiven Diskussionen wurde der geeignete Standort ausgewählt: die ehemalige Filiale der Volksbank an der Ückendorfer Straße 102 in Gelsenkirchen. Bis Ende Juli 2026 haben die Schüler*innen die Gelegenheit, diesen Raum umzugestalten und mit eigenen Ideen zu beleben.
Die Schüler*innen treffen sich seit dem Spätherbst 2025 wöchentlich im UmBauLabor, um ihre Ideen zu entwerfen und umzusetzen. Bisher haben sie sich ausgetauscht und Collagen angefertigt, um ihre Wünsche auszudrücken.
Stadt nach eigenen Wünschen gestalten
In ersten Gesprächen mit dem Team des UmBauLabors hat die Gruppe erzählt, welche Orte sie in ihrer Freizeit aufsuchen und wo ihre Lieblingsorte in der Schule liegen. Dabei wurde deutlich, dass es in diesem Alter herausfordernd ist, in der Stadt passende Orte zu finden und zu gestalten. Oft wissen die Schüler*innen anfangs selbst noch nicht so genau, was sie brauchen und wollen. Umso wichtiger ist es, sie zu sensibilisieren, ihnen Wege aufzuzeigen und sie zu bestärken, sich die Stadt für sich anzueignen, die Stadt auch als ihren Raum zu begreifen, den sie selbst gestalten können.

Das Team des UmBauLabors unterstützt sie dabei mit der Klassenlehrerin Dunja Heinrich und Lehrerin Sevgi-Nuralev Karasac der Gesamtschule Ückendorf. Zudem bringt Stephanie Tanneberger, die ihre Doktorarbeit über inklusive und wirkungsvolle Partizipation in Umbauprozessen an der TU Dortmund schreibt, wertvolle Perspektiven in das Projekt ein. Sie hilft nicht nur bei der Planung des Unterrichts, sondern beobachtet auch die Fortschritte der Schüler*innen und hilft ihnen bei Fragen und Problemen.
Aus baukultureller Sicht ist es besonders wichtig, Jugendliche zu berücksichtigen, da diese Altersgruppe von 14 bis 16 Jahren oft keinen eigenen Ort für sich hat: ein Platz, an dem sie sich wohlfühlen, geschützt sind und mit dem sie sich identifizieren.
Unterstützung durch die Stadt Gelsenkirchen
Das Stadtteilbüro der Bochumer Straße in Gelsenkirchen, die Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen und der Bauspielplatz Ückendorf greifen den Schüler*innen ebenfalls unter die Arme: Sie stellen ihre Organisationen vor und zeigen, wie wichtig es ist, gemeinsam Entscheidungen zur Stadtgestaltung zu treffen. Die Schüler*innen werden sensibilisiert für die unterschiedlichen Berufe und die Zusammenarbeit von Menschen, die nötig sind, um ihre Ideen zu verwirklichen. Dabei geht es nicht nur um die Suche nach dem passenden Standort, sondern auch um die Gestaltung ihrer Aktivitäten vor Ort.
Wichtig bei dem Projekt ist: Die Entscheidungen über den Ort bleiben in den Händen der Schüler*innen – denn dadurch erfahren sie, dass ihre Ideen und Wünsche für die Umgebung eine Bedeutung haben.
In den nächsten kommenden Monaten entsteht auf diese Weise gemeinsam ein neuer Raum, der nicht nur die Bedürfnisse der Schüler*innen berücksichtigt, sondern auch die Vorstellung von „einer Stadt für uns“ verwirklicht. Die kommenden Unterrichtsstunden rücken die Bedeutung der Teamarbeit in den Fokus: Welche Rollen können die Schüler*innen im Team übernehmen? Welche Aufgaben stehen ihnen an? Und welche Ideen entwickeln sie konkret für ihre Projekte? Im Jahr 2026 geht es in die Entwurfs- und Ausführungsphase.
Das Team des UmBauLabors berichtet über die Entwicklung in dem Projekt auf Pageflow.
Ein „Dritter Ort“ ist ein sozialer Raum, der neben unserem Zuhause (Erster Ort) und unserem Arbeitsplatz (Zweiter Ort) existiert. Der Begriff stammt von dem Soziologen Ray Oldenburg aus den 1980er Jahren, der erkannte, wie wichtig es ist, Orte für Treffen und Austausch zu schaffen.
Dritte Orte sind wichtig, weil sie uns helfen, miteinander in Kontakt zu treten und uns als Gemeinschaft zu fühlen. Besonders in Städten im Ruhrgebiet, die in den vergangenen Jahrzehnten z.B. dem Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft erfahren haben, hat der Dritte Ort eine große Bedeutung.
Diese Orte bieten die Möglichkeit, sich zu treffen, neue Bekanntschaften zu schließen und aktiv an der Gestaltung des eigenen Umfelds teilzunehmen. Sie fördern das Zusammenleben und das Miteinander und tragen dazu bei, dass wir uns in unserer Stadt wohler fühlen.



