Kazuyo Sejima vom japanischen Architekturbüro SANAA, eine der wenigen weiblichen Architektur-Stars. Foto: Rama, via Wikimedia Commons, CC-BY 2.0

Architektinnen: Wie Frauen eine Männerdomäne eroberten

Heute studieren mehr Frauen Architektur als Männer, während sie bei den Bauingenieuren noch in der Minderheit sind. Im Berufsalltag jedoch dominieren weiterhin die Männer die Baustellen und Büros. Ursula Kleefisch-Jobst blickt über Frauen im Bauwesen. 

„Gut Ding will eben Weile haben, und wesentlich wird auch sein, daß der Geist der Frau zur Sprache kommt, die sein will, was sie ist, und nicht scheinen will, was sie nicht ist.“

Lilly Reich, Innenarchitektin und Designerin, 1922

Frankfurt 1925: Die Österreicherin Grete Schütte-Lihotzky (1887-2000) entwarf für den sozialen Wohnungsbau in Frankfurt die sogenannte „Frankfurter Küche“, eine Art Einbauküche, die sich an rationellen Abläufen der Hausarbeit orientierte. Sie war damit einen der wenigen Frauen zu dieser Zeit, die in der Architektur tätig waren. Mitten in einer Männerdomäne.

Architektur und Bauingenieurwesen sind dies bis heute noch. Zwar studieren heute mehr Frauen als Männer Architektur, während sie im Bauingenieurwesen immer noch in der Minderheit sind. Im Berufsalltag jedoch dominieren Frauen nicht die Baustellen und Plätze in den Architekturbüros. Im öffentlichen Bewusstsein stehen sie immer noch hinter ihren männlichen Kollegen zurück. In der Liga der sogenannten Star-Architekten strahlen einzig die Irakerin Zaha Hadid und die Japanerin Kazuyo Sejima, die zusammen mit ihrem Kollegen Ryue Nishizawa das Büro SANAA leitet.

Weichenstellung in Dessau: Frauen erlernen Handwerke

Mit Blick zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fällt auf: Frauen sind uns namentlich in diesen Berufsfeldern nicht bekannt. Erst die Reformbewegungen Ende des 19. Jahrhunderts, die Emanzipationsbestrebungen und spätestens ab dem Sommersemester 1900 die Zulassung von Frauen als „ordentliche Studierende“ in allen Fachbereichen, ermöglichten Frauen den Zugang zur Architektur. Manche hatten zunächst eine Lehre absolviert oder kamen aus dem Bereich der bildenden Künste. Frauen betätigten sich zunächst in den Bereichen, die ihnen am vertrautesten waren, der Inneneinrichtung und dem Wohnungsbaus.

Das Bauhaus hat zu dieser Entwicklung einen entscheidenden Beitrag geleistet. In Dessau wurden nicht nur Frauen in den Werkstätten für Weberei, Keramik, Metallverarbeitung, Innen-und Möbeldesign ausgebildet, sondern hatten auch leitende Positionen inne. Zu ihnen gehörte Lilly Reich (1898-1947), die erste Frau im Vorstand des Deutschen Werkbundes und ab 1932 Leiterin der Ausbauabteilung und der Weberei am Bauhaus in Dessau soswie später in Berlin. Als Tochter russischer Emigranten errichtete Ludmilla Herzenstein (1906-1994) nach dem 2. Weltkrieg ein Laubenganghaus an der Karl-Marx Allee in Berlin Friedrichshain, das heute etwas verloren inmitten der sozialistischen Prunkarchitektur steht. Sie sind mit Grete Schütte-Lihotzky prägende Architektinnen im deutschsprachigen Raum.

Bei einer Umfrage in Deutschland 2012 stellte sich heraus, dass von den 516 befragten Architektinnen nur 178 freiberuflich tätig sind. Es war Emilie Winkelmann (1875-1951), die 1906 als erste Frau in Deutschland - in Berlin - ein eigenes Architekturbüro eröffnete. Frauen, die eigene Büros führen, sind bis heute eine Ausnahme. Die Zahl der Frauen aber, die an der Spitze von Büros zusammen mit männlichen Kollegen stehen, nimmt ständig zu.

Ihre Ansprechpartnerin für diesen Bereich

Dr. Ursula Kleefisch-Jobst

Dr. Ursula Kleefisch-Jobst
Generalkuratorin

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