Ganz schön brutal: Ausstellung in Dortmund

Ein verkannter Architekturstil als popkulturelles Phänomen? Der Brutalismus bekommt seit einiger Zeit neue, ungeahnt positive Aufmerksamkeit – vielleicht auch gerade weil er über Jahrzehnte verrufen war und nun immer mehr Gebäuden der Nachkriegsmoderne der Abriss droht.

Anarchitekton. Foto: Jordi Colomer and Galerie Michael Rein
Anarchitekton. Foto: Jordi Colomer and Galerie Michael Rein

Die neuen Fürsprecher des für seine kompromisslose Formsprache bekannten Baustils formieren sich vor allem auf Blogs und in sozialen Netzwerken. Hier ist den letzten Jahren ein regelrechter Hype um sonst häufig als hässlich, gar menschenfeindlich verschriene Sichtbetonbauten entstanden. Um wohl keinen anderen Architekturstil hat sich im Internet ein derartiger Kult entwickelt.

Anknüpfend an die weiter wachsende Online-Community ist die Ausstellung „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus / The Brutalism Appreciation Society“ nach einer populären Facebookgruppe mit derzeit über 50.000 Mitgliedern benannt. Präsentiert wird nicht nur eine  Auswahl dort eingestellter Inhalte, sondern auch Brutalismus-inspirierte Beiträge von ca. 20 internationalen Künstlern wie Bettina Allamoda, Nicolas Moulin und Tobias Zielony. Die vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund organisierte Ausstellung ist vom 8. April bis 24. September 2017 im Dortmunder U zu sehen.Auch StadtBauKultur NRW setzt sich im Rahmen des Projekts „Ruhrmoderne“ intensiv mit dem baulichen Erbe der Nachkriegsmoderne auseinander.

Weitere Informationen zur Ausstellung sind auf www.hmkv.de abrufbar. Das Projekt Ruhrmoderne ist auf ruhrmoderne.de dargestellt. Zu den bekanntesten internationalen Fotoblogs gehören fuckyeahbrutalism.com und brutalism.online. Auf www.brutalisten.de präsentiert sich die Initiative Brutalismus im Rheinland, unter www.sosbrutalism.org unterhält das Deutsche Architekturmuseum in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung eine internationale Datenbank.

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Peter Köddermann

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