Stadtgestaltung im Rahmen des Reallabors am Theaterplatz in Aachen. Fotograf: Sebastian Becker

Phase 0 – Wann beginnt Stadtplanung?

Wann beginnt Stadtplanung? Bräuchte es nicht eine Zeit des Denkens und des Dialogs, bevor Stadtraum zu Planungsraum wird? Baukultur Nordrhein-Westfalen möchte Städte und Gemeinden unterstützen, die baukulturell wichtigen Momente der „Phase 0“ in der Planung zuzulassen und zu erproben.

Wann beginnt Stadtplanung?

Die „Phase 0“ - eine Schärfung des Begriffs

Städte und Kommunen stehen heute vor grundsätzlichen Herausforderungen der Stadtgestaltung. Viele Erwartungen verändern sich und es verschieben sich die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung. Der Klimawandel, die Verkehrswende und Bedürfnisse der Stadtgesellschaft formulieren Fragen nach zukünftigen Funktionen und Angeboten neu. So verliert der Einzelhandel seine stadtbildprägende Funktion für Innenstädte. Verkehrsräume werden neu aufgeteilt und öffentliche Räume weitergebaut, weil sich Mobilitätansprüche und Wertschätzungen für Raumgestaltungen verändern. Gleichzeitig formuliert sich der gesellschaftliche Wunsch, Innenstädte wieder als bezahlbaren Wohnort zu begreifen – bis dato in vielen Städten eine finanzielle Herausforderung. Stadtplanung muss sich mit diesen sehr vielschichtigen Anforderungen auseinandersetzen und den neuen Herausforderungen annehmen, will man zukünftig lebendige Formen des Zusammenlebens anbieten.

Erwartungen, Interessen, Funktionen und Ziele der Stadtgestaltung ins gegenseitige Verhältnis zu setzen, benötigt neue themen- und interessenübergreifende Prozesse. Die Neuausrichtung städtischer Räume fordert die Beteiligungen vieler Akteur*innen.  Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft sind natürliche Partner*innen der Stadtgestaltung und Stadtmacher*innen und Ideengeber*innen sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Das Ideal der Stadtgestaltung beinhaltet einen frühzeitigen Dialog aller Beteiligten. Hierfür braucht es zeitgemäße Prozesse und Kommunikationsformate, die an der Schnittstelle von Auftrag, Planung und Auseinandersetzung fungieren. 

„Phase 0“ als Start der Planung

Stadtplanungsprozesse sind nach der Honorarordnung der Architekt*innen in neun Phasen gegliedert und beginnen mit der Phase 1 zur Bedarfsfeststellung aus Sicht der Kommunalverwaltung. Planung sollte jedoch mit der Einbindung vieler Akteur*innen beginnen, um den Planungsraum zu thematisieren und so frühzeitig anzufangen, sodass zu Beginn über Ziele kommuniziert wird, Ideen gedacht werden können und sich Kooperationen bilden dürfen. Dieser Start ermöglicht einen Dialog zur Gestaltung und formt die nachfolgenden Planungsstrukturen.

Eine Phase 0 bildet Grundlage für nachfolgende Planungsschritte. Eine Phase, in der Fragestellungen, Ideen, Interessen vorformuliert werden, sich Partnerkonstellationen bilden können, um sie mit bestehenden Anforderungen zu einem gemeinsam getragenen Bild zu verbinden und eine allseits getragene Stadtentwicklung zu initiieren.

Den Beginn einer Phase 0 bilden der Aufruf zur Auseinandersetzung mit dem Stadtraum und die Ansprache möglicher Akteur*innen. Es folgt eine Sensibilisierung für die Situation und den Raum für eine begrenzte Zeit. In dieser Zeit werden die Fragen, Anforderungen und Qualitäten an den Raum formuliert und ein gemeinschaftlich getragener Diskurs über den Ideenraum angeregt. Eine Phase 0 kann so einen Dialograum erzeugen, indem sich Menschen treffen, um sich zu ihrem Stadtraum austauschen. Ein Programm aus Interventionen, Aktionen, Veranstaltungen, das unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen einbezieht und einen Treffpunkt der Stadtgesellschaft schafft. Eine Zeit, die zur Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt, ihren Atmosphären, Bildern und Möglichkeiten auffordert und den Dialog zwischen den Interessen zu erzeugen hilft.

Der Stadtraum als Dialograum

Beiträge und Herangehensweisen aus der Nachbarschaft, Interventionen von Künstler*innen, verbunden mit wissenschaftlichen Betrachtungen und Informationsformate der Planung, studentische Raumexperimente und Aktionen und Angebote des Handels vor Ort können eine vielfältige Choreografie eines Phase-0-Prozesses ausbilden. Künstlerische und wissenschaftliche Methoden im Umgang mit Räumen lassen Stadträume atmosphärisch neu sichtbar werden und das Lesen solcher Räume zu einem spannenden Prozess werden. Mit überraschenden Elementen kann eine Perspektive auf alltäglich genutzte Räume neue Chancen, Sichtweisen und Potenziale offenbaren. Baukultur kann mit einer eigenen Perspektive die Auseinandersetzung und die Sensibilisierung von Räumen fördern und unerwartete Befunde generieren. Eine besondere Atmosphäre führt zu einer besonderen Auseinandersetzung mit dem Raum.

„Phase 0“ …und dann?

Die Ideen und Ergebnisse dieses Dialogs werden zusammengeführt und in den weiteren Planungsprozess eingegeben. Ausschreibungen und das Engagement der Auftraggeber*innen entscheiden über die Qualität und den Erfolg des Vorhabens. Diesen Übergang zu stärken und in den Fokus zu nehmen ist einflussreicher Aspekt für den Erfolg der Phase 0. Diese Form des Briefings übersetzt die festgestellten Bedürfnisse und Aufträge für die Planer*innen um diese weiter zu verwenden. Sie bilden den Ausgangspunkt für die Ausgestaltung des weiteren Planungsprozesses.

Das Angebot von Baukultur Nordrhein-Westfalen

Baukultur Nordrhein-Westfalen möchte Städte und Gemeinden zukünftig dabei stärker und effizienter unterstützen, diese baukulturell wichtigen Momente in der Planung zuzulassen und zu erproben. Dafür werden Angebote für Stadtverwaltungen erarbeitet, die Hilfestellung sein können, Phase 0 Prozesse zu planen, zu moderieren und auszugestalten. Angebote, die helfen, Stadtgesellschaft dazu aufzufordern, Stadträume als gemeinschaftliche Planungsräume zu begreifen und zu entwickeln. Beiträge, die planungsthematische- und künstlerische Akzente setzen oder neue Kooperationen ermöglichen. Ziel muss es sein, Städte wieder zu lebendigen räumlichen Organismen des Zusammenlebens zu machen.

Ihr Ansprechpartner für diesen Bereich

Florian Heinkel

Florian Heinkel
Projektmanagement Stadtentwicklung

T 0209 402441-23
F 0209 402441-11
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen eine gute Erfahrung zu bieten.

Dazu gehören wesentliche Cookies, die für den Betrieb der Website erforderlich sind, sowie andere, die nur für anonyme statistische Zwecke, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass aufgrund Ihrer Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website zur Verfügung stehen.

Datenschutz Impressum
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen eine gute Erfahrung zu bieten.

Dazu gehören wesentliche Cookies, die für den Betrieb der Website erforderlich sind, sowie andere, die nur für anonyme statistische Zwecke, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass aufgrund Ihrer Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website zur Verfügung stehen.

Datenschutz Impressum
Ihre Cookie-Einstellungen wurden gespeichert.